Erst der Unterbau, dann der Stein
Ich bin Tiefbauingenieur und Pflasterermeister, und zwar in dieser Reihenfolge. Zuerst habe ich gelernt, was unter einer Fläche passiert, danach an der Fläche selbst, wie ein Stein gesetzt wird. Alles Weitere ist daraus entstanden: die Meisterprüfung, die Eintragung als Sachverständiger, die Arbeit an den Regelwerken, die Seminare und die Bücher.
Ich werde oft gefragt, wie ich zu dem gekommen bin, was ich heute tue. Geplant war es so nicht. Die meisten in diesem Fach kommen vom Stein und lernen später das Rechnen — bei mir war es umgekehrt, und aus dem Tiefbau heraus bin ich in ein altes Handwerk geraten, das mich seither nicht mehr losgelassen hat.
Diese Seite ist deshalb keine Sammlung von Titeln, sondern eine Kette. Jede Station erklärt, warum die nächste möglich wurde. Wenn Sie ein Gutachten in Auftrag geben, ein Seminar buchen oder mich als Sachverständigen vor Gericht antreffen, sollen Sie nachvollziehen können, worauf die Einschätzung beruht, die Sie von mir bekommen.
Vier Stationen, und warum die Reihenfolge ungewöhnlich ist
Der übliche Weg führt vom Stein zur Berechnung. Meiner lief andersherum, und genau das ist der Grund, warum ich bei einem Schaden zuerst nach unten schaue.
Der Ingenieur
Am Anfang stand der Tiefbau: Untergrund, Tragschicht, Entwässerung, Lastannahmen. Das klingt trocken, ist aber der entscheidende Teil. Die meisten Schäden an Pflasterflächen entstehen nicht im Pflaster, sondern darunter. Wer nur den Belag beurteilt, beurteilt das Ergebnis und nicht die Ursache.
Das Handwerk
Danach kam der Stein, und zwar an der Fläche: Planum herstellen, Tragschicht verdichten, Bettung abziehen, setzen, Fuge schließen, abrütteln. Ein gerechneter Aufbau und ein gebauter Aufbau sind zwei verschiedene Dinge. Wer über Jahre selbst gesetzt hat, sieht an einer schadhaften Fläche Dinge, die auf keinem Foto zu erkennen sind, weil er weiß, wie sie entstanden sind.
Die Meisterprüfung
Mit der Meisterprüfung im Pflasterergewerbe kam zum Können die Verantwortung: Kalkulation, Bauleitung, Ausbildung eigener Lehrlinge und die Haftung für die eigene Ausführung. Seither führe ich die Bezeichnung Pflasterermeister, und seither weiß ich, wie ein Angebot zustande kommt, das eine ordentliche Fläche trägt.
Die Eintragung
Allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger wird man nicht auf Antrag. Das Sachverständigen- und Dolmetschergesetz verlangt dafür unter anderem zehn Jahre facheinschlägige Praxis (§ 2 Abs. 2 Z 1 lit. b SDG), den Nachweis der fachlichen und persönlichen Eignung vor einer Kommission und danach die regelmäßige Rezertifizierung. Eingetragen bin ich für das Fachgebiet Pflasterbau.
Diese Reihenfolge erklärt, worauf ich bei einem Schaden zuerst sehe: nicht auf den Stein, sondern auf das, was unter ihm liegt. Und erst danach darauf, was jemand über die Fläche sagt.
Was ich für das Handwerk mache
Ein Sachverständiger prüft gegen Regelwerke. Ein Teil meiner Arbeit besteht darin, an diesen Regelwerken mitzuschreiben und dafür zu sorgen, dass die Betriebe sie auch anwenden können.
Im Normungsausschuss
Ich bin Mitglied im Normungsausschuss und war maßgeblich an der Entwicklung der Regelwerke für den Pflasterbau beteiligt, namentlich an der RVS 08.18.01. Diese Richtlinie regelt den konstruktiven Aufbau von Pflasterdecken: Tragschichten, Bettung, Fugenmaterial, Randeinfassung und Ausführung.
Für ein Gutachten bedeutet das: Ich lege an eine Fläche nicht meine persönliche Auffassung an, sondern das geltende Regelwerk. Für Sie als Auftraggeber bedeutet es, dass die Beurteilung überprüfbar bleibt, auch von einem zweiten Sachverständigen und auch Jahre später. Angelegt wird dabei nicht nur die RVS 08.18.01, sondern ebenso die ÖNORM B 2214 für die Pflasterarbeiten und die einschlägigen Werkvertragsnormen. Mitgearbeitet habe ich an der RVS.
In der Wirtschaftskammer
Ich bin Landesberufsgruppensprecher der Pflasterer für das Bauhilfsgewerbe in der Wirtschaftskammer Oberösterreich. In dieser Funktion vertrete ich die Betriebe der Berufsgruppe gegenüber Verwaltung, Auftraggebern und Interessenvertretungen und sitze an dem Tisch, an dem über Ausbildungsinhalte, Vergabepraxis und die Rahmenbedingungen des Gewerbes gesprochen wird.
In der Ausbildung
Der dritte Teil ist die Weitergabe: Seminare für Verlegetrupps, Poliere und Bauhofteams, Vorträge, Unterricht in der Berufsausbildung und vier Fachbücher. Mit den Jahren habe ich verstanden, dass es weniger am Inhalt liegt als an der Frage, wie er vermittelt wird. Ein Trupp, der am Vormittag eine Fläche falsch gebaut und sie am Nachmittag richtig gebaut hat, merkt sich den Unterschied ohne Skript.
Vier Rollen, eine Praxis
Sachverständiger, Trainer, Autor, Pflasterermeister: Von außen sieht das nach vier Angeboten aus. Tatsächlich ist es eine Praxis mit vier Zugängen, und jeder davon lebt davon, dass es die anderen drei gibt.
- Pflasterermeister
Die Grundlage. Ohne eigene ausgeführte Flächen wäre alles Weitere Theorie über die Arbeit anderer Leute.
- Sachverständiger
Die Prüfung. Wer über Jahre Schäden aufnimmt, weiß, welche Ausführungsfehler sich rächen und welche folgenlos bleiben.
- Trainer und Referent
Die Weitergabe. Was im Gutachten als Ursache steht, steht im Seminar als Handgriff, der den Schaden vermeidet.
- Sachbuchautor
Das Nachschlagen. Was im Seminar zwei Tage dauert, muss ein Jahr später auf der Baustelle in zwei Minuten auffindbar sein.
Für Sie hat das eine praktische Folge: Sie bekommen aus allen vier Richtungen dieselbe Auskunft. Ein Aufbau, den ich in einem Seminar empfehle, ist derselbe, den ich in einem Gutachten als geschuldet ansehe, und derselbe, der in meinen Büchern beschrieben ist.
Was mich an dieser Arbeit hält
Es war die Begeisterung für ein altes Handwerk, die mich zu dem geführt hat, was ich heute beruflich mache.
Der Satz stand schon auf meiner ersten Website, und er stimmt bis heute. Dazugekommen ist über die Jahre eine zweite Frage: Wie gebe ich das, was ich weiß, so weiter, dass das Pflasterhandwerk etwas davon hat? Aus dieser Frage sind die Seminare und die Bücher entstanden, nicht aus einem Geschäftsplan.
Im Umgang heißt das: Ich rede mit Bauherren, Baufirmen und Gerichten in derselben Sprache und ohne Fachnebel. Wenn ein Schaden gering ist, sage ich das. Wenn eine Fläche in Ordnung ist, sage ich das ebenso, auch wenn der Auftrag von der Seite kommt, die auf einen Mangel gehofft hat. Ein Befund, der seinem Auftraggeber nach dem Mund redet, hilft niemandem und hält der Gegenprüfung nicht stand.
Und wenn ich zwischen zwei Terminen die Wahl habe, fahre ich auf die Baustelle. Dort steht, was in keinem Regelwerk steht.
Wo Sie mich brauchen können
Sie wissen jetzt, woher die Einschätzung kommt. Was daraus wird, hängt davon ab, an welcher Stelle Sie gerade stehen.
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Die Fläche ist gebaut und macht Probleme
Setzungen, Ausblühungen, Frostschäden, ausgespülte Fugen: Befund, Dokumentation und Ursache, privat oder im Gerichtsauftrag.
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Die Fläche ist geplant
Aufbau, Bettung, Randeinfassung, Entwässerung und Steinwahl klären, bevor der erste Bagger kommt.
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Praxisseminare für Verlegetrupps, Poliere und Bauhofteams, gearbeitet wird an der Fläche.
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